Unsere Welt besticht nicht nur durch atemberaubende Panoramen, die ganze Landschaften zeigen – oft liegt der Zauber auch im Detail. Sei es der Flügelschlag einer Libelle oder der Blütenstaub auf einer Sommerblume, welche mit bloßem Auge kaum wahrzunehmen sind und trotzdem wunderbare Aufnahmen ergeben können. Hier kommt die Makrofotografie ins Spiel. Mit spezieller Technik lassen sich Abbildungsmaßstäbe von bis zu 1:1 erreichen, wobei diese Einheit nicht bedeutet, dass das Motiv im Maßstab 1:1 dargestellt wird. Viel mehr beschreibt diese Größe den Abbildungsmaßstab auf dem Sensor der Kamera. Die Makrofotografie erfordert nicht nur spezielle Objektive oder andere Hilfsmittel, sondern auch ein ganz eigenes Know-How über diese Fotografietechnik. Doch keine Sorge. Mit etwas ausprobieren und den folgenden Tipps zur Makrofotografie kann jeder tolle Detailaufnahmen zaubern und Freunde und Verwandte mit den Bildern verblüffen.

Makrofotografie einer Grapefruit

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Die wichtigsten Regeln der Makrofotografie

1. Stativ, Fernauslöser und Spiegelvorauslösung nutzen Die Besonderheit der Makrofotografie besteht darin, näher als bei allen anderen Fotografiearten an das Motiv heranzukommen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jede noch so kleine Bewegung der Kamera zu spürbaren Verwacklungen führt. Daher ist die Nutzung eines Stativs vor allem bei Stillleben Pflicht. Wer dagegen bei seiner Makrofotografie auf einer Wiese kleinen Bienen, Heuschrecken oder Schmetterlingen nachjagt, für den ist ein Stativ eher hinderlich. Trotzdem sollte er auf einen sicheren Stand achten und die Kamera bestmöglich abstützen. Bietet es sich an, sind ein Fernauslöser und die Spiegelvorauslösung bei der Makrofotografie ebenfalls zu empfehlen.

2. Je näher desto besser Eine der wichtigsten Regeln bei der Makrofotografie besagt, je näher man am Objekt dran ist, desto besser werden die Aufnahmen. Der Grund dafür liegt in der Detailfülle, die man nur bekommt, wenn das Motiv wirklich formatfüllend auf den Sensor gebrannt wird. Versuchen Sie, möglichst nah heran zu gehen – und sollte das nicht funktionieren, lassen sich weitere Entfernungen mit größeren Brennweiten ausgleichen.

3. Auch mal schmutzig werden Die oftmals notwendige geringen Nähe zum Motiv führt bei der Makrofotografie manchmal dazu, dass der Fotograf in ungewohnte Positionen gehen muss. Wer beispielsweise eine am Boden kriechende Ameise fotografieren möchte, sollte dies möglichst auf Augenhöhe tun, um eine faszinierende Aufnahme zu schießen. Also heißt es: Tief runter, bis auf die Knie oder sogar auf den Bauch. Deshalb sollte bei der Makrofotografie die Kleidung stimmen. In vielen Fällen helfen auch Knieschoner blauen Flecken vorzubeugen.

4. Vorsicht bei schreckhaften Tieren Die Makrofotografie von wilden Tieren stellt eine besondere Hausforderung dar. Ob es ein Fuchs oder eine schreckhafte Hummel ist – viele Tiere lassen den Fotografen gar nicht erst nah genug an sich herankommen, um eine tolle Detailaufnahme zu schießen. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten, wie ihre Makrofotografie doch noch zum Erfolg wird. Die eine besteht darin, sich gut zu positionieren und dort so lange zu verharren, bis ein Tier nah genug kommt. Hierbei helfen Accessoires wie ein Tarnzelt und weitere Tricks aus dem Bereich der Tierfotografie. Die Alternative dazu liegt in einer möglichst großen Brennweite. Für Insekten reichen meist schon 90mm, bei schreckhaften Säugetieren wie Hasen oder Eichhörnchen braucht es mindestens 250-300mm, um das Tier nicht zu verschrecken.

Detailaufnahme eins Uhrwerks

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Was eignet sich als Motiv für Makrofotografie?

Das tolle an der Makrofotografie ist, so ziemlich jeder Gegenstand, sowohl draußen wie drinnen, bietet ein tolles Potenzial für eine Detailaufnahme. Am einfachsten ist es, sich zunächst in der eigenen Wohnung umzuschauen. Wer sich von seiner Umgebung inspirieren lässt, findet ganz schnell passende Motive für seine Makrofotografie. Musikinstrumente eigenen sich beispielsweise perfekt, sei es eine Gitarre mit verschnörkeltem Griff oder ein Klavier mit glänzenden Tasten. Auch Werkzeuge lassen sich gut im Detail ablichten. Gibt es vielleicht Schrauben oder eine Säge im Haushalt, kann damit perfekt experimentiert werden. Ebenso bietet die Küche tolle Motive für die Makrofotografie. Aus Korkenziehern, Weizenkörnern oder alten Waagen können spannende Bildrätsel entstehen, bei denen der Betrachter nicht gleich den Gegenstand erkennt und von der Aufnahme gefesselt wird. Makrofotografie kann aber genauso gut auch draußen stattfinden. Gräser, Blumen und Insekten sind dabei nur einige von tausenden Möglichkeiten für gelungene Fotografien.

Die Komposition entscheidet

Wer erfolgreiche Makrofotografie betreiben möchte, sollte sich mit der Theorie der Bildkomposition auseinandersetzen. Ohne eine ausgefeilte Anordnung der Motive verpufft oft die Wirkung einer noch so schönen Aufnahme. Zwar ist es bei einer Detailaufnahme im Gegensatz zu Landschaftsaufnahme oft schwieriger, Führungslinien zu finden, doch unmöglich ist es nicht. Diese sollten vor allem durch die Ecken oder Bildmitte verlaufen und den Blick des Betrachters gezielt durch die Aufnahme leiten. Ebenso wichtig ist bei der Makrofotografie der ausgefallene Blickwinkel. Jeder kennt es, eine Münze von oben zu betrachten. Kaum jemand hat diese jedoch schon einmal über den Kopf gehalten und im Detail betrachtet. Solche ungewöhnlichen Blickwinkel sollten bei der Makrofotografie immer berücksichtigt werden, denn sie machen das Bild spannend und außergewöhnlich.

Makrofotografie einer Hummel auf einer lilanen Blüte

Tiere lassen sich am besten mit einem 90mm oder mehr fotografieren

Eine große Rolle spielt auch die Drittregel. Dabei sollte es vermieden werden, wichtige Gegenstände in der Bildmitte zu postieren. Auch eignet sich die horizontale und vertikale Achse, die das Bild jeweils mittig teilt, nicht besonders gut für Hauptmotive. Diese sollten vielmehr leicht versetzt davon postiert werden, am besten auf den Schnittstellen des links dargestellten Rasters. Oftmals gibt es bei der Makrofotografie einen sehr kleinen Schärfebereich. Dieser sorgt dafür, dass Objekte sowohl im Vorder-, Mittel- sowie Hintergrund zu sehen sind. Da diese Dreiteilung sehr ansprechen auf den Betrachter wirkt, sollte auch bei stark geschlossener Blende und dementsprechend großem Schärfebereich darauf geachtet werden, diese Einteilung nachzuvollziehen.

Die Kunst des Fokussierens in der Makrofotografie

Besonders bei Stillleben wie Münzen, Blumen oder technischen Geräten sollte man sich nicht auf den Autofokus verlassen. Der stellt zwar wie gewünscht scharf, doch aufgrund der oft kleinen Schärfeebene möchte man vielleicht etwas ganz anderes betonen. Ein manuelles Fokussieren bringt bei der Makrofotografie sehr viel mehr Spielraum mit sich und sorgt dafür, dass der Fotograf sein Motiv noch besser kennenlernt. Durch eine Drehung am Fokusring kann er nacheinander alle Teile des Motivs scharf und wieder unscharf stellen und die Komposition bestens vornehmen. Eine Ausnahme dieser Regel stellt die Makrofotografie von Tieren dar, die man nicht kontrollieren kann. Wer also einen Fuchs oder ähnliches im Detail aufnehmen möchte, sollte weiterhin auf den Autofokus vertrauen, da dieser sehr viel schneller ist, als das manuelle Fokussieren. Es wäre ja schade, wenn die Komposition passen würde, aber das Motiv schon über alle Berge ist.

Makrofotografie von Schwarz-Gelben Blumenblüten

Blumen eignen sich toll für die Makrofotografie

Das Problem der Bewegung in der Makrofotografie

Die Makrofotografie hat ständig mit einem großen Problem zu kämpfen: der Verwacklung bei sich bewegenden Objekten. Ob man als Motiv ein Tier oder eine Blume auf dem Feld auserkoren hat, die sich schwungvoll im Wind hin und her bewegt – bei keinem der beiden Varianten ist eine scharfe Aufnahme zu erwarten. Doch auch diese Herausforderung ist kein Ding der Unmöglichkeit. Alle Objekte, die sich kontrollieren lassen, wie beispielsweise Federn, Blumen oder ein Papierboot auf dem Wasser, sollten drinnen fotografiert werden. Bei einer solchen Nähe, wie sie in der Makrofotografie üblich ist, fällt der Unterschied gar nicht auf, da die Umgebung bei der Aufnahme weitestgehend ausgeblendet wird. Wer sein Motiv trotzdem in eine Waldatmosphäre integrieren möchte, kann sich etwas Moos, ein paar Stöcke und Blätter auf einen Tisch drapieren und das Motiv dort hineinlegen. Blumen können am besten, an einem Stativ oder ähnlichem befestigt, vor einem geschlossenen Fenster fotografiert werden. So behält man sich die Aufnahme einer Blüte vor blauem Himmel, ohne dass der Wind einem einen Strich durch die Rechnung macht. Auch schwimmende Gegenstände lassen sich für die Makrofotografie drinnen ablichten, beispielsweise in einer großen Schüssel oder der Badewanne.

Schwieriger dagegen ist es bei wilden Tieren. Hier helfen Zoos, die eine Vielzahl verschiedene Arten aufweisen. Heimische Spezies wie der Fuchs lassen sich gut in Tierparks fotografieren, denn hier sind sie an den Menschen gewöhnt und kommen teilweise bis auf wenige Meter heran. Dabei helfen auch Leckerreien, jedoch sollte man sich im Vorfeld darüber informieren, was diese Tiere vertragen und was gefüttert werden darf.

Ein Gedanke über “Makrofotografie – Die Kunst des Details

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