Beruflich oder als Hobby – Veranstaltungsfotografie ist für viele Fotografen ein wichtiges Thema. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob bei der Hochzeit des besten Freundes fotografiert wird, während einer Theateraufführung der eigenen Tochter oder am Abend der nächsten Firmen-Weihnachtsfeier. Veranstaltungen haben meist eines gemeinsam: Es ist viel los, das Licht lässt oft zu wünschen übrig und der Fotograf hat nur eine bestimmte Zeit, um gute Fotos zu schießen. Da gilt es, die Nerven zu behalten und auf sein Können zu vertrauen. Doch es gibt auch einige Grundregeln, die dabei helfen, die Veranstaltung mit vielen tollen Aufnahmen zu beenden.

#1 Die richtige Vorbereitung ist Gold wert

Auch wenn solche Fototermine anstrengend sind – mit der richtigen Vorbereitung kann man der Veranstaltung schon viel gelassener entgegensehen. Dazu gehört bereits zu Hause der kritische Blick in die Fototasche. Was brauche ich, was vermutlich nicht? Da es wichtig ist, immer flexibel und beweglich zu sein, sollte nur das Nötigste mitgenommen werden. Das heißt: Eine Festbrennweite und ein Zoomobjektiv reichen in der Regel aus, dann noch einen externen Blitz, den Body und fertig. Zu viel Equipment ist bei der Veranstaltungsfotografie eher hinderlich und sollte daher vermieden werden. Wichtig ist darüber hinaus ein voller Akku und eine leere Speicherkarte (Ersatzakku und Speicherkarte nicht vergessen). Auch die Kamerapflege sollte nicht vernachlässigt werden. Es lohnt sich, bereits vor der Veranstaltung beispielsweise noch einmal über die Linsen zu putzen, um hinterher nicht auf jedem Bild einen störenden Flecken zu haben.
Ist der Veranstaltungstag dann gekommen, kann es nicht schaden, schon eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn da zu sein. So kann man sich mit der Location vertraut machen und einen Plan zurecht legen. Von wo habe ich den besten Blick und störe gleichzeitig keinen? Von wo kommt das Licht? Und welche Einstellungen brauche ich? Vor allem die letzte Frage sollte bereits vor dem eigentlichen Shooting geklärt sein – hier helfen ein paar Probeschüsse, um die richtige Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO herauszufinden.

#2 Welche Belichtungszeit, ISO und Blende sind sinnvoll?

Die Einstellungen an der Kamera orientieren sich immer nach dem, was gerade fotografiert wird. Wir unterscheiden hier einmal grundlegend zwischen nahen Portraitaufnahmen und weiter entfernter Bühnenfotografie. Für ersteres, beispielsweise bei einer Weihnachtsfeier, ist die Belichtungszeit nur bedingt entscheidend, da man nicht mit großen Verwacklungen der zu fotografierenden Personen rechnen muss. Als Faustregel, um auch die eigene Bewegungen durch eine kurze Belichtungszeit auszugleichen, gilt: Belichtungszeit = 1/Brennweite. Wird also mit einem 50mm-Festbrennweite fotografiert, sollte die Belichtungszeit mindestens 1/50 Sek. betragen. Dabei ergibt es einen schönen Effekt, wenn die Blende möglichst groß, die Blendenzahl also möglichst gering ist. So wird der Hintergrund verschwommen und der Blick des Betrachters auf das Wesentliche, die Personen im Vordergrund, gerichtet. Stehen mehrere Personen hintereinander, ist eine Blende von 8 sinnvoll, um alle Gesichter scharf zu bekommen. Zuletzt zum ISO: Dieser richtet sich bei Portraitaufnahmen ganz nach der Helligkeit und sollte entsprechend angepasst werden. Dabei ist es immer gut, den Wert so niedrig wie möglich zu halten, um ein Rauschen zu vermeiden.
Bei der Bühnenfotografie sind dagegen andere Einstellungen wichtig. Hier hat es der Fotograf meist mit schnellen Bewegungen zu tun, bei Rednern die Gestik der Hände und Arme, bei Schauspielern und Tänzern der ganze Körper. Um scharfe Aufnahmen zu bekommen, sind kurze Belichtungszeiten enorm wichtig – Blende und ISO sollten sich entsprechend daran orientieren. Fotografiert man beispielsweise einen Redner, sollte die Belichtungszeit mindestens 1/50 Sek. betragen, besser sind 1/100 Sek. Um dies zu erreichen, ist es vor allem in dunklen Räumen nötig, die Blende möglichst groß und den ISO entsprechend hoch einzustellen. Bei Tänzern und Schauspielern sollte die Verschlusszeit mindestens 1/100 Sek. betragen, wobei oft auch eine schnellere Belichtungszeit nötig sein wird.

#3 Blitzen? Nein Danke!

Oft sieht man bei Veranstaltungen Hobbyfotografen aus der letzten Reihe mit dem internen Blitz ein Foto schießen. Dabei hat gerade der interne Blitz lediglich eine Reichweite von 3-4 Metern. Um hier überhaupt einen Effekt zu erzielen, braucht es schon einen externen Blitz, denn der kommt mitunter über 10 Meter weit. Generell aber sollte man ganz auf diese künstliche Lichtquelle verzichten. Das harte, kalte Licht zerstört in der Regel die gesamte Atmosphäre und sieht schlicht billig aus. Empfehlenswert ist es vielmehr, mit den Möglichkeiten der Kamera das vorhandene Licht auszunutzen. Hierfür muss unter Umständen der ISO etwas erhöht oder die Blende vergrößert werden. Doch auch ein etwas körniges Bild durch einen hohen ISO ist besser, als eine totgeblitzte Aufnahme, bei der zwar der uninteressante Vordergrund gut beleuchtet ist, das eigentliche Motiv – die Bühne – aber viel zu dunkel ist.

#4 RAW oder JPEG?

Beim Dateityp hat man in der Regel die Wahl zwischen RAW- und JPEG-Format. Beide haben ihre Vor- und Nachteile – auch bei der Veranstaltungsfotografie. In RAW zu fotografieren macht vor allem dann Sinn, wenn die Abzüge eine möglichst hohe Qualität haben sollen. Dieses Format ermöglicht es, im Nachhinein eine breite Korrektur vorzunehmen, was vor allem im Bereich der Helligkeit und des Weißabgleichs viel ausmacht. Problematisch kann das RAW-Format sein, wenn es auf die Schnelligkeit, sowohl beim Fotografieren wie bei der Übertragung, ankommt. Durch die Größe von meist über 10 Mb pro Foto ist man hier deutlich eingeschränkt. Muss es schnell gehen, beispielsweise wenn ein Sportereignis fotografiert wird oder die Bilder an Ort und Stelle über die Website oder Social Media veröffentlicht werden sollen, bietet sich JPEG an. Bei diesem Format werden die Fotos bereits mit einem kamerainternen Bearbeitungsprogramm angepasst, beispielsweise geschärft und der Kontrast erhöht. Außerdem ist die Größe der Dateien sehr gering, sodass sowohl die Übertragung auf den PC wie auch schnellere Serienaufnahmen möglich sind.

#5 Vordergrund macht Bilder rund

Viele Fotos von Veranstaltungen sehen oft flach und unspektakulär aus. Das lässt sich mit einem kleinen Trick ändern. Wer mehrere, klar definierte Ebenen in seinen Aufnahmen unterbringt, gewinnt dadurch Tiefe und macht die Bilder reizvoll. Dabei ist es wichtig, einen klar definierten Vordergrund zu haben, eine abgegrenzte Mitte sowie einen deutlich erkennbaren Hintergrund. Diese Aufteilung lässt sich meist einfach erreichen. Soll beispielsweise ein Redner auf der Bühne abgebildet werden, lässt sich das Glas auf dem Pult sehr gut als unscharfer Vordergrund verwenden. Möglich ist es auch, aus dem Publikumsraum zu fotografieren und zwischen den beiden Vordermännern hindurch zu schießen. Diese rahmen dann links und rechts das Hauptmotiv in der Mitte ein. Bei solch einer Aufteilung ist es sinnvoll, in der mittleren Ebene das Hauptmotiv zu platzieren, in diesem Fall also den Redner. Wichtig ist, dass der so scharf und gut ausgeleuchtet wie möglich ist. Es macht nichts, wenn der Vordergrund zu dunkel ist, solange das Hauptmotiv gut zu erkennen ist. Die Hintergrundebene besteht meistens aus einem Vorhang oder einer Illustration hinter dem Redner. Wer hier eine große Blende verwendet, bekommt dies unscharf und der Blick des Betrachters wird auf das Hauptmotiv auf der mittleren Ebene gelenkt.

Du willst noch mehr Tipps, wie du deine Veranstaltungsfotografie verbessern kannst? Dann verpasse auf keinen Fall den zweiten Teil in der kommenden Woche.