Hier wird erklärt, wie Mitzieher funktionieren

Mitzieher von einem Mofa bei etwa 30 km/h

Schnelle Formel 1-Flitzer, Züge mit 300 und mehr km/h oder schnittige Motorräder – die Actionfotografie ist ein beliebtes Feld, doch oft nur mit viel Aufwand zu realisieren. Viele Fotografen arbeiten hier mit einem intensiven Blitzeinsatz und teuren Speedsynchron-Blitzen. Dazu kommen die Kosten für eine angemessene Location und möglicherweise die Anmietung eines solch schnellen Fahrzeugs. Doch es geht auch viel billiger – quasi kostenlos – tolle Actionfotos zu bekommen und dazu mit einem viel geringeren Aufwand. Alles was dazu nötig ist, ist eine Kamera mit verstellbarer Verschlusszeit. Die Technik, die hinter solchen Aufnahmen steckt, nennt sich Mitzieher und ist mit ein wenig Übung von jedem zu lernen. Hier zeigen wir, wie es geht.

Bewegtfotografie mit einfachen Mitziehern

Wie der Name schon andeutet, geht es bei Mitziehern darum, die Bewegung des Fahrzeugs mitzuverfolgen. Die Kamera wird dabei normalerweise von links nach rechts oder umgekehrt geschwenkt, während der Verschluss offen ist. So bleibt im Optimalfall das Fahrzeug scharf, während der Hintergrund durch die Bewegung verschwommen dargestellt wird. Es bedarf einiger Übung, mit dieser Technik scharfe Motive zu bekommen, doch ist es die Mühe mehr als Wert. Am besten probiert man es zunächst mit einfachen Motiven, deren Geschwindigkeit über eine längere Distanz gleich bleibt. Hier eignen sich zum Beispiel Züge oder Straßenbahnen besonders gut. Aber Achtung! Immer auf die eigene Sicherheit achten und weit genug von den Schienen entfernt stehen. Am einfachsten ist es, wenn der Abstand zum Objekt möglichst groß ist. So bleibt die Schärfeebene immer die gleiche und man kann sich ganz auf das Mitziehen konzentrieren. Wer sich zunächst keine Aufnahme aus der freien Hand zutraut, kann die Kamera auch auf ein Stativ schnallen und die vertikale Bewegungsachse öffnen, sodass sich die DSLR spielend von links nach rechts drehen lässt.

Die technischen Einstellungen für einen Mitzieher

Mitzieher gelingen nur, wenn die Kamera entsprechend eingestellt ist. Das Wichtigste hierbei ist eine vergleichsweise lange Belichtungszeit. Hierbei ist ein wenig Fingerspitzengefühlt entscheidend, denn die Belichtungszeit orientiert sich immer an der Geschwindigkeit des Motives. Steht man beispielsweise auf dem Bürgersteig und möchte die 50 km/h schnellen Autos auf der Straße fotografieren, bieten sich Zeiten zwischen 1/10 Sek. und 1/30 Sek. an. Soll es doch lieber der Zug in 200 Metern Entfernung sein, der gefühlt langsam vor sich hin kriecht, muss die Belichtungszeit mindestens 1/2 Sek. betragen. Je länger der Verschluss offen ist, desto größer wird der Effekt im Hintergrund. Allerdings erhöht sich auch mit der Belichtungszeit die Schwierigkeit, eine scharfe Aufnahme zu erhalten.

An einem sonnigen Tag können derart langsame Verschlusszeiten dazu führen, dass das Foto stark überbelichtet wird. Hier hilft es, den ISO auf die niedrigste Stufe einzustellen und die Blende auf den höchsten Wert zu stellen. Wenn das immer noch nicht reicht, kann ein schwacher Graufilter helfen, die gewünschte Belichtungszeit zu erreichen.

Wichtig bei Mitziehern ist auch der Fokus. In der Regel sieht es am besten aus, wenn das Motiv in Fahrtrichtung noch viel Platz hat. Fährt das Auto also von links nach rechts, ist es sinnvoll, das Fahrzeug möglichst weit links zu positionieren. Um die gewünschte Schärfe auf dem Motiv zu erreichen, sollte zudem der Fokuspunkt auf die gewünschte Stelle des Bildes verschoben werden. Manche Kameras verfügen auch über die Funktion des mitführenden Autofokusses. Dabei errechnet die DSLR permanent die optimale Schärfe für den Fokuspunkt und nicht nur einmal, wenn der Auslöser halb heruntergedrückt wird. Diese Funktion ist bei Mitziehern Goldwert, da so eine scharfe Aufnahme garantiert ist.

Welche Motive funktionieren bei Mitziehern?

Hier wird erklärt, wie Mitzieher funktionieren

Autos eignen sich hervorragend für tolle Mitzieher

Wie bereits schon deutlich geworden ist, spielt die Motivauswahl bei Mitziehern eine entscheidende Rolle für das Ge- oder Misslingen der Aufnahme. Im Folgenden haben wir mal die wichtigsten Fahrzeuge aufgeführt und die Vor- und Nachteile beleuchtet:

- Auto: Pkws haben den Vorteil, dass sie fast immer verfügbar sind. An jeder kleinsten Straße kommt irgendwann ein Auto vorbei, das sich als Motiv eignet. Allerdings sind Autos relativ langweilig, solange man kein besonders ausgefallenes Model vor die Linse bekommt. Zum Üben eignen sie sich aber hervorragend und wenn dann doch mal ein Mustang oder ein schicker Sportwagen vorbeikommt, hat sich die Aufnahme gleich schon gelohnt.

- Zug: Einen Zug als Mitzieher zu fotografieren ist besonders einfach, da dessen Geschwindigkeit in der Regel über längere Zeit gleich bleibt. Jedoch ist es manchmal schwierig, einen geeigneten Platz zum Fotografieren zu finden, da Bahngleise meist etwas versteckt liegen. Wer in der Nähe von einem großen Bahnhof wohnt kann auch versuchen, bis an das Ende eines Gleises zu gehen und dort die einfahrenden oder abfahrenden Wagons zu erwischen.

- Fahrrad: Einen etwas ausgefalleneren Mitzieher bekommt man bei Fahrrädern. Hier ist der große Vorteil, dass man sie auch im Grünen findet und so einen harmonischen Hintergrund bekommt. Allerdings gibt es zwei große Nachteile: Zum einen könnten sich Radfahrer über die Aufnahme beschweren, wenn sie ungefragt fotografiert werden. Zum anderen ist bei einer Aufnahme dann zwar meist das Fahrrad scharf, aber die Person auf dem Rad nicht. Hieran ist die normale Bewegung schuld, die Radfahrer beim Treten machen. Wenn sie dann noch den Oberkörper mitbewegen, ist die Aufnahme meist unbrauchbar. Gleiches gilt für Fußgänger. Einen Mitziehern von gehenden oder laufenden Personen zu bekommen ist fast unmöglich, weil sich der Körper ständig bewegt und nicht starr ist, wie beispielsweise beim Auto.

- Schiffe: Wer in der Nähe eines großen Flusses wohnt, kann durchaus versuchen, auch Schiffe als Mitziehermotiv zu verwenden. Schafft man hier eine scharfe Aufnahme, ist dies sicher die Mühe wert. Das größte Problem hierbei ist die meist sehr langsame Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Oft scheinen sie sich kaum vom Fleck zu bewegen, was entsprechend lange Belichtungszeiten erfordert. Das kann dann auch nicht mehr aus der Hand geschossen werden, sondern ein Stativ muss her.

Kreativ werden: Mitzieher mal verkehrt herum

Hier wird erklärt, wie Mitzieher funktionieren

Einfach den Spieß einmal umdrehen und sich selbst bewegen

Bis jetzt war immer nur die Rede von Mitziehern, bei denen der Fotograf fest an einem Punkt steht und sich bewegende Motive fotografiert. Spannend kann es aber auch sein, wenn sich der Fotograf bewegt – seine Umgebung dagegen nicht. Diese Art von Bildern funktioniert aber nur, wenn auf dem Foto entweder etwas vom Fotografen (z. B. eine Hand) oder von seinem Fahrzeug zu sehen ist, was dann scharf abgebildet wird. Ansonsten bekommt man nur eine völlig verwackelte Aufnahme ohne jeglichen Reiz. Am besten eignet sich hierfür der Zug. Hier kann man gemütlich auf seinem Platz sitzen und aus dem Fenster fotografieren. Dabei sollte die Aufnahme als festen Bestandteil im Vordergrund auch andere Sitzplätze oder Passagiere zeigen, die dann vor der verschwommenen Umwelt hinter der Fensterscheibe sitzen. Einzig die Belichtung ist hier manchmal ein Problem, da es meist im Zug sehr viel dunkler ist als draußen.

Eine andere Motivmöglichkeit sind Mitzieher auf dem Fahrrad oder im Auto. Bei letzterem sieht es toll aus, wenn nachts das beleuchtete Armaturenbrett im Vordergrund scharf dargestellt wird und alles außerhalb des Wagens verschwimmt. So kommt besonders gut die Geschwindigkeit zum Ausdruck. Wer es dagegen etwas ruhiger will, kann seine Spiegelreflex auch einfach mit aufs Fahrrad nehmen. Hier nimmt man einfach den Lenker mit auf und schon ist der Mitzieher fertig.