Ein wunderschöner Sonnenaufgang, nebelverhangene Bergspitzen oder ein kristallklarer See – Landschaftsfotografie kann von Gegenden zauberhafte Naturbilder schaffen, die unaufmerksamen Besuchern für immer verborgen bleiben. Dabei spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle, damit das Foto hinterher perfekt wird. Es kommt nicht nur auf die richtigen Einstellungen an, sondern auch der Bildaufbau und die Tageszeit sind entscheidend. Landschaftsfotografie ist mit viel Präzision, Geduld und manchmal auch einigem Ausprobieren verbunden. Ärgere dich nicht, wenn das erste Foto nicht gleich vollkommen aussieht. Mit diesem ausführlichen Ratgeber lernst du die Grundlagen der Landschaftsfotografie und kannst bisherige Fehler leicht vermeiden.

Eine Landschaftsfotografie vom See mit blauem Himmel

Landschaftsfotografie eines Sees in Kanada

 

Das richtige Equipment für die Landschaftsfotografie

So toll die Fotos auch hinterher werden – einen Nachteil hat die Landschaftsfotografie: Sie setzt einiges mehr an Foto-Ausrüstung voraus, als beispielsweise beim Fotografieren von Portraits. Aber keine Sorge, du musst dich nicht gleich in Unkosten stürzen. Vieles teure Equipment kann man auch ganz einfach und preiswert nachbauen. Hier erfährst du, das geht.

Die richtige Kamera

Grundsätzlich ist bei der Landschaftsfotografie jeder Fotoapparat in Ordnung. Sogar mit einer Handykamera lassen sich schöne Naturfotos schießen. Trotzdem ist es von großem Vorteil, wenn man eine Digitale Spiegelreflexkamera besitzt. Hierbei kann man das Bild nicht nur gleich an Ort und Stelle überprüfen, rein-zoomen und die Lichtverhältnisse kontrollieren. Eine DSLR bringt darüber hinaus viele weitere Funktionen mit sich, die in der Landschaftsfotografie sehr nützlich sind: Die Veränderung der Blende und Verschlusszeit, die Spiegelvorauslösung, eine weitaus bessere Bildqualität und oftmals auch Tools wie eine integrierte Wasserwaage.

Wer gerne Erfahrung in der Landschaftsfotografie sammeln möchte, aber noch keine solche Kamera zu Hause hat, kann sich bei vielen Fotogeschäften eine DSLR für einen oder mehrere Tage ausleihen. Stehst du kurz vor der Anschaffung eines neuen Fotoapparats und willst vor allem in der Natur unterwegs sein, achte am besten auf ein besonders geschütztes, wasser- und staubresistentes Gerät. Dann kann dir auch ein plötzlicher Regenschauer nichts mehr anhaben. Ist dein Budget darüber hinaus sehr umfangreich, kann auch ein Modell mit Vollformat erwogen werden. Diese beginnen in der Regel zwar erst bei 2.000 Euro, sind für die Landschaftsfotografie aber bestens geeignet, da sie keinen Crop-Faktor haben und von Grund auf einen viel größeren Ausschnitt zulassen als Kleinformatkameras.

Der Sønder Klitvej im Westen Dänemarks mit seinen kleinen Reed-Häusern

Mit einer DSLR lassen sich bei einer Landschaftsfotografie toll die Helligkeitsunterschiede darstellen

Das beste Objektiv

Bei der Landschaftsfotografie kommt es darauf an, möglichst viel von der Natur zu zeigen. Deshalb bieten sich besonders Objektive im unteren Brennweitenbereich an. Besitzer von Standard-Kit-Objektiven sind hierbei schon einmal ganz gut gerüstet, denn die untere Brennweite von 18mm bietet dem Betrachter einen guten Eindruck der Szenerie. Für besonders ambitionierte Fans der Landschaftsfotografie bieten sich Weitwinkelobjektive an. Diese ermöglichen einen noch größeren Ausschnitt (oft sogar schon ab 10mm), der manchmal sogar mehr umfasst, als der Blickbereich unseres Auges. Damit lassen sich tolle Bilder schießen, in denen besonders der Vordergrund gut zur Geltung kommt.

Da es bei der Landschaftsfotografie stark auf eine durchgängige Tiefenschärfe ankommt, spielt die Qualität der Glases eine wichtige Rolle. Festbrennweiten ermöglichen in der Regel die beste Bildqualität, da die Bauweise keinen Zoom berücksichtigen muss und sich ganz auf die Güte des Fotos konzentrieren kann. Für Fotos mit vielen senkrechten Linien, beispielsweise in einem Wald, können Tilt-Shift-Objektive stürzende Linien ausgleichen. Diese sind jedoch sehr teuer und kommen häufiger in der Architekturfotografie zur Anwendung.

Der Maligne Lake in Kanada

Der Maligne Lake in Kanada

 

Das Stativ ist Pflicht

Keine Landschaftsfotografie aus der Hand! Diese Regel sollte man berücksichtigen, wenn man gute Fotos bekommen möchte. Viele Aufnahmen im Gelände werden erst bei längeren Verschlusszeiten richtig gut, man denke an im Wind wehende Blumen oder einen fließenden Bach. Ist der Shutter länger als 0,5 Sekunden geöffnet, wird das Bild definitiv verwackeln, sollte man aus der Hand schießen. Darum muss die Kamera bei der Landschaftsfotografie immer abgestützt werden. Ein flacher Stein oder ein Bohnensack bieten sich beispielsweise als Unterlagen an.

Experten-Tipp
Ein Bohnensack lässt sich ganz einfach selbst herstellen. Dazu füllst du einfach eine große Plastiktüte mit getrockneten Bohnen und bindest sie feste zu. Schon kann man die Kamera sicher darauf postieren. Alternativ zu Bohnen bietet sich auch Weizenkörner an. Diese sind feiner und ermöglichen ein präziseres Justieren des Gerätes auf dem Sack.

Unbegrenzte Flexibilität gewährleistet jedoch nur ein Dreibeinstativ. Man kann es in der Höhe variieren und auch auf unebenem Boden sicher einstellen, wenn die Beine unterschiedlich lang ausgefahren werden. Eine fest montierte Kamera hat zudem den Vorteil, dass in aller Ruhe die Bildkomposition eingestellt werden kann. Wenn ein Landschaftsfoto nicht ganz den Wünschen entspricht, kann man die Einstellungen verändern, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, dass der Bildausschnitt verrutscht. Für Liebhaber von Panoramaaufnahmen helfen Stative dabei, dass der Horizont bei jedem Foto auf der gleichen Höhe bleibt. Wer sich für seine Landschaftsfotografie noch ein Stativ kaufen möchte, sollte darauf achten, dass es eine integrierte Wasserwaage besitzt und man an den Füßen kleine Spitzen ausfahren kann, die sich gut im Boden festkrallen und einen sicheren Stand garantieren.

Möchtest du mehr über Stative und ihre richtige Verwendung erfahren? Dann findest du spannende Tipps und Infos in unserem Stativ-Ratgeber.

 

Bessere Landschaftsfotografie durch Filter

Filter sind in der Landschaftsfotografie unentbehrlich. Sie helfen dabei, Lichtverhältnisse auszugleichen und sorgen für kräftigere Farben. Besonders wichtig ist dabei der UV-Filter, da man bei der Landschaftsfotografie immer an der frischen Luft ist und der Kamerasensor häufig Sonnenstrahlen einfängt. Zudem schützt eine solche dünne Glasscheibe das dahinterliegende Objektiv vor Staub, Schmutz sowie Feuchtigkeit und kann selbst dann helfen, wenn die Kamera mal hinfällt.

Eine Landschaftsfotografie des Glendalough in Irland

Landschaftsfotografie des Glendalough in Irland

Neben dem UV-Filter kommen in der Landschaftsfotografie regelmäßig Graufilter zum Einsatz. Durch diese gelangt weniger Licht auf den Sensor und es werden längere Belichtungszeiten ermöglicht. Sehr beliebt sind auch Verlaufsfilter, die im oberen Teil dunkel sind und nach unten hin klar werden. Damit lassen sich helle Himmel ausgleichen, so dass die gesamte Aufnahme korrekt belichtet werden kann. Als dritte Variante werden in der Landschaftsfotografie Polfilter benutzt. Diese verleihen der Aufnahme zum einen intensivere Farben, zum anderen kann man damit Reflexionen auf Wasser- oder Glasoberflächen bewusst herbeizaubern oder nahezu entfernen.

Welche Filter gibt es und wofür braucht man sie? Alle Infos zu den verschiedenen Filtern gibt es hier.

Fernauslöser für eine verwacklungsfreie Aufnahme

Nimmt man es ganz genau, kann selbst durch das Drücken des Auslösers an der Kamera eine Verwacklung entstehen. Da besonders bei Langzeitbelichtungen in der Landschaftsfotografie die Kamera aber auf keinen Fall während der Aufnahme bewegt werden darf, sollte man auf einen Fernauslöser zurückgreifen. Hierbei gibt es Varianten mit einem Kabel oder solche, die über Funk die Kamera ansteuern. Letztlich ist es bei der Landschaftsfotografie nicht so wichtig, welche der beiden Alternativen benutzt werden, da man in der Regel während der Aufnahme neben der Kamera steht und nicht im Bild zu sehen ist.

TIPP: Wem ein Fernauslöser zu teuer ist, der kann sich ganz einfach Abhilfe verschaffen. Die Alternative für deine Landschaftsfotografie ist der Selbstauslöser der Kamera. Einfach auf zwei Sekunden einstellen, den Auslöser drücken und warten, bis das Foto gemacht wurde. So erhält man ebenfalls eine völlig verwacklungsfreie Aufnahme, aber kann sich den Fernauslöser sparen.

Eine Landschaftsfotografie von Oldtimern vor einem Berg in Kanada

Goldene Regeln bei der Landschatsfotografie: Vordergrund macht Bilder rund!

Landschaftsfotografie – so stellst du deine Kamera richtig ein

Hat man sich einmal den perfekten Standpunkt für sein Foto ausgesucht und das Equipment aufgebaut, geht es zunächst an die Einstellungen. Bei der Landschaftsfotografie kommt es ganz darauf an, dass die Bildkomposition und die Kameraeinstellungen stimmen. Im Gegensatz zu Portraitfotos hat man glücklicherweise so viel Zeit, wie man braucht, und kann alles in Ruhe planen und ausprobieren.

Ganz wichtig: Die richtige Blende

Wer einen Ort gefunden hat, der sich lohnt in Szene gesetzt zu werden, der will dem späteren Betrachter der Aufnahme auch jedes noch so kleine Detail zeigen, das ihn an dieser Natur so fasziniert hat. Da wäre es schade, wenn einige Bereiche unscharf dargestellt werden, weil die Blende falsch gewählt wurde. In der Landschaftsfotografie gilt: Keine großen Blendenöffnungen nehmen. Dadurch würde ein Teil der Aufnahme garantiert nicht mehr scharf werden und Details verloren gehen. Doch Vorsicht! Man könnte zwar im Umkehrschluss denken, die größtmögliche Blendenzahl würde auf jeden Fall ein gutes Foto garantieren – doch so leicht ist es bei der Landschaftsfotografie leider nicht. Bei Blenden über 22 verliert die Aufnahme zunehmend an Bildqualität, was sich besonders beim späteren Hineinzoomen bemerkbar macht. Eine Blende zwischen 8 und 16 dagegen ist optimal für Landschaftsfotografien. Richtig fokussiert erhält man so eine Aufnahme, die im gesamten Bild scharf ist und dazu noch eine ausgezeichnete Bildqualität hat.

Holzweg durchs Hohe Venn auf Stegen

Für große Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund ist die richtige Blende entscheidend

Belichtungszeiten in der Landschaftsfotografie

Anders als bei der Blende gibt es bei Verschlusszeiten in der Landschaftsfotografie keine eindeutige Regel – sie wird vielmehr als gestalterisches Mittel eingesetzt und kann die Aufnahme massiv beeinflussen. Wie schnell sich der Shutter öffnet und wieder schließt hängt nicht nur mit der Lichtsituation zusammen, sondern auch der Location deiner Landschaftsfotografie. Scheint die Sonne sehr stark und es gibt weit und breit keinen schützenden Schatten, der Licht wegnehmen könnte, sind kurze Verschlusszeiten fast unumgänglich, um im Bereich der optimalen Blendenzahl zu bleiben. Soll der Shutter trotzdem länger offen bleiben, bieten sich starke Graufilter an.

Sollte der Lichteinfall jedoch eher durchschnittlich sein, lässt das einen Spielraum für die Verschlusszeiten und bietet deiner Landschaftsfotografie tolle Gestaltungsmöglichkeiten. Fotografierst du ein Feld mit Blumen, können Belichtungszeiten von mehr als einer Sekunde toll die Bewegung der Pflanzen einfangen, wenn sie im Wind hin und her wedeln. Genauso lässt sich die Fließgeschwindigkeit eines Flusses abbilden, wenn der Shutter über mehrere Sekunden lang geöffnet ist. Dagegen frieren Zeiten über 1/200 Sek. das Wasser ein. Wer gerne nachts fotografiert, kann mit langen Belichtungszeiten sogar Sternenstreifen erzeugen. Über die Bulb-Funktion der Kamera bleibt der Verschluss beliebig lange offen und die Rotation der Erde lässt andere Planeten auf dem Foto Bahnen ziehen.

Eine Landschaftsfotografie von Weinstöcken in Kanada

Lienen sind gut für die Blickführung

ISO-Werte – weniger ist mehr

Um die Bildqualität bei der Landschaftsfotografie so gut wie möglich zu halten, ist die richtige ISO-Einstellung wichtig. Da diese Bilder später oft im Großformat abgezogen werden und die Wände der Wohnung zieren, sollten keine noch so kleinen Qualitätsfehler zu sehen sein. Hohe ISO-Werte führen schnell zum Rauschen des Bildes – die Aufnahme wird dann körnig und sehr unansehnlich. Ab welchem ISO-Wert das passiert, kommt immer auf die Kamera an, jedoch sollte man den Bereich über 800 tendenziell meiden – wenn es denn geht. Da bei der Landschaftsfotografie generell ein Stativ zum Einsatz kommt, braucht man sich über zu lange Verschlusszeiten auch keine Gedanken zu machen und muss den ISO nicht erhöhen, um die Belichtungszeit zu verringern. Am besten steht der ISO auf der niedrigsten Stufe, was meist einem Wert von 50, 100 oder 200 entspricht. Dann ist die Aufnahme garantiert rauschfrei und man braucht sich hinterher nicht zu ärgern.

Wenn du wissen möchtest, was der ISO überhaupt ist und wie du ihn für deine Fotos nutzen kannst, schau hier.